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ANNA DEPENBUSCH
SOMMER AUS PAPIER TOUR

TERMINE:

> Mo 11.03.2013 > KARTEN

Beginn: 20:00 Uhr
Einlass: 18:30 Uhr

ORT: Freiheiz Halle

Preise:
27,90 EUR (VVK zzgl. VVK-Gebühr)

Weitere Informationen:
Tel.: 089-51242949

Fräulein Ukulele
Anna Depenbusch hat Sonne im Herzen

An Piano und Flügel sitzt Anna Depenbusch nur zu gern. Ihre schönsten Lieder sind an diesen Instrumenten entstanden. Die ihres beeindruckenden Debüts bei 105 Music Die Mathematik der Anna Depenbusch und der gleichnamigen schwarz-weißen Solo am Klavier-Version. Ihre gefühlvollen Tastenkünste erschaffen Musik mit einer unglaublichen Bandbreite von tieftraurig bis urkomisch. Dementsprechend stieg ihr Album 2011 von null auf Platz 25 in die deutschen Albumcharts ein. Auch die Kritiker und Juroren können daran nicht vorbeihören. So wird Anna Depenbusch 2012 gleich zweimal ausgezeichnet: mit dem Fred-Jay-Preis für ihre außergewöhnlichen Liedtexte und mit dem Deutschen Chanson Preis. Soweit, so gut, doch sind Piano und Flügel so fürchterlich groß und absolut unhandlich. Fürs Reisegepäck zu sperrig, fürs Handgepäck erst recht. Was kannst du machen, wenn du noch dazu mit einem Seemann zusammen bist und ihm an die unmöglichsten Plätze dieser Welt hinterher reist, um dich dort mit ihm zu treffen?, fragt sie nicht unberechtigt. Rettung naht in Form eines viersaitigen Zupfinstrumentes, der Ukulele. Die konnte überall mit hin und auf diesem magischen Instrument konnte ich wieder Musik machen, wann und wo ich wollte, ist die Freude an der Problemlösung groß.

Das Album fing mit einer Hawaiitapete an

Aus diesen zufälligen Spielereien, während Anna Depenbusch die Welt umrundet, erwächst nach und nach die zunächst unscharfe Vision für eine neue Platte. Ich sehe bereits früh ein fertiges Album, das war bei allen vorherigen Alben genauso, erzählt sie munter drauf los, die Lieder müssen dabei noch nicht komplett sein. Doch weiß ich schon, wie sie klingen sollen. Ich weiß, wie das Album aussehen soll und wovon es handelt. Wird die erste Vision zu einem tiefenscharfen Bild, dann geht die Arbeit los. Schärfe erfährt das Bild diesmal durch eine Hawaiitapete. Ich sah sie und im gleichen Moment wusste ich, ich werde eine Kontrast-Platte zum Schwarz/Weiß-Album schaffen, fährt sie fort, sie wird bunt sein, so farbenfroh, wie die Hawaiitapete. Sie wird mit Sommer zu tun haben und eine frische Leichtigkeit aufweisen, ohne jedoch den Anschluss an meine Vorgängeralben und die Art und Weise wie ich mit Worten umgehe, zu verlieren. Dabei ist Anna Depenbusch gar kein Sommerkind. Sie liebt eher den Winter. Eine Zeit, in der sie am produktivsten ist. Eine Zeit, in der sie die meisten Lieder schreibt. Doch bereits der erste Blick auf diese Hawaiitapete provoziert in ihr die Frage: Was ist bloß los mit dem Sommer und mir? Ich muss das ergründen! Fortan begleitet diese Hawaiitapete Anna Depenbusch durch ihr Leben. Erst hat sie eine Wand in ihrer Wohnung damit tapeziert. Dann ist sie überall hin mitgekommen: ins Studio, zum Fotoshooting und ihrem Auto liegt auch eine. Und natürlich war es auch die Tapete, die den Titel der neuen Platte von Anna Depenbusch provozierte, Sommer aus Papier. Es ist der Sommer, den das Papier der Tapete zeigt. Der ist nicht wirklich da. Nicht echt. Es ist auch nicht wirklich Bikinizeit, reflektiert sie die Metapher, den bastle ich mir, aus Glanzpapier, damit aber ist er stets brüchig. Er kann kaputt gehen. Kann wegwehen. Passt aber zusammengefaltet in jede Hosentasche. So hast du den Sommer bei dir und ein wenig auch in dir und kannst ihn jederzeit abrufen, wann immer du ihn brauchst. Völlig unabhängig von den Jahreszeiten und auch davon, ob die Sonne scheint oder nicht.

Magische Momente und die kleine musikalische Form

Das Plattenbild wird scharf und schärfer. Ich hatte auf der Ukulele komponiert und wollte nur mit kleiner Band arbeiten. Pur, ohne großes Brimborium. Zu fünft haben wir alles aufgenommen, beschreibt Anna Depenbusch die beginnende Studioarbeit, ganz viel Puzzleteile hatte ich gesammelt, eher protokollierte Stimmungen, weniger fertige Liedteile. Wir haben dann einfach zusammen improvisiert. So wie bei einer Picknick-Session im Sommer.
Viel Ukulele, wenig Schlagzeug, sparsame Perkussion. Mit dem, was im Raum ist, damit nehmen wir auf. Nicht mehr. Hierbei zeigt sich, auf welch hohem Niveau Anna Depenbusch die Fähigkeit besitzt, die Kraft und Energie ihrer Lieder durch Reduktion zu steigern. Ganz in Sinne von Antoine de Saint-Exupry, der da wusste: Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann. Spielerisch und mit kindlicher Neugier haben sich die Musiker und Anna Depenbusch den Liedstrukturen angenähert. Ich wusste schnell, mit welchen Ideen ich emotional auch verbunden bin. Das innere Bild in mir muss dazu nur äußerliche Gestalt annehmen. Das sind dann jene magischen Momente, diese extrem kurzen Zeitspannen, in denen hunderttausend Dinge gleichzeitig passieren. Noten werden zu verführerischen Melodiebögen, Buchstaben zu Texten. Wenn ich dann selber tief berührt zurück bleibe, dann weiß ich, ein Lied steht kurz vor der Vollendung. So purzelten sie dann hervor, die Stücke. Unbeschwertheit verkünden sie. Meist in farbenfrohem Dur gehalten, tragen sie dennoch seelenberührende Tiefe in sich.

Skurrile Sachen und tragische Geschichten

Manch eins der Lieder wirkt zunächst wie ein leichtes Kinderlied und dann geht es plötzlich um sehr erwachsene Dinge. Etwa im Stück Vom Leben als Gespenst, der Protagonist weicht von seinem Weg ab und als Strafe dafür ist er für alle Ewigkeit dazu verdammt, sein Dasein als unsichtbares Gespenst zu fristen. Er setzt sich in den Baum gegenüber dem Fenster seiner Liebsten und will ihr seine immerwährende Liebe gestehen. Doch sie kann ihn nicht sehen. Das ist eine der tragischen Geschichten, die ich bei aller Lust und Laune auf die Sommerfrische einfach erzählen musste, gesteht Anna Depenbusch, doch es dominiert der Sommer. Aber nicht als Wunsch, dass fortwährend die Sonne scheinen möge. Es geht nicht darum, draußen am Strand liegen und braun werden. Nein! Sommer ist für mich Freizeit, Freigeistigkeit und Kommunikation mit anderen und gemeinsames Träumen. Und alle Gefühle, die damit in Verbindung zu bringen sind. Aus der Sehnsucht nach all dem zieht Anna Depenbusch ihre Geschichten, die sie in den Liedtexten erzählt. Doch haben diese Erzählungen noch einen weiteren Quell. Egal, ob es sich um die skurrilen Sachen handelt oder um tragischen Geschichten, es gibt immer einen Menschen, der mich dazu inspiriert hat., verrät sie, manche Freunde erzählen mir schon gar nichts mehr, weil sie fürchten, ich mache da möglicherweise wieder ein Lied draus. Eins über einen müden Cowboy, oder eins über die verliebte Zweisamkeit beispielsweise, wie das wunderbar emotionale Duett mit Mark Forster, Ich und Du. Oder eine sonnenbeschienene Träumerei, wie Fräulein Ukulele. Da träumt sich eine Frau in eine Südseeromanze. Ein Matrose aus dem fernen Hawaii wird sie ins Reich ihrer Sehnsüchte entführen. In Wirklichkeit steht sie auf St. Pauli in irgendeiner Kaschemme hinterm schäbigen Tresen, lacht Anna Depenbusch, keck steckt sie sich eine Blume ins Haar und träumt sich das Leben schön. Eigentlich will sie gar nicht weg. Ist ja auch viel zu weit. Dieses Hawaii. Und tatsächlich ist sie ja mit dem DJ der Bar zusammen. Anna Depenbusch schüttet die ganze Sonne in ihrem Herzen, wie aus einem Füllhorn in ihre neuen Lieder. In alle? Die Sonne wirft auch Schatten, deshalb lasse ich die Platte mit der schweren, traurigen Ballade 110 ausklingen, wird sie wieder ernst, es geht um einen Unfall und dass danach alles anders ist. Das Album endet wieder mit einer Klaviernummer. Balladen am Klavier, das gehört zu mir. Dem Klavier kann und will ich nicht untreu werden. Doch obenauf liegt die Ukulele.
Franz X.A. Zipperer

Anna Depenbusch
Sommer aus Papier (VÖ: 05.10.2012)

105music/Sony Music


Fotografen = Goldwerk, Michael Drasch & Katja Seidel

Montag 11.03.2013 | 20:00 Uhr